Zwischen Traum, Realität und Erschöpfung – Wie es mit cravt.store weitergeht

💭 Zwischen Traum, Realität und Erschöpfung – Wie es mit cravt.store weitergeht

Transparenz war mir bei cravt.store schon immer wichtig.
Ich wollte nie nur schöne Produkte zeigen, sondern auch ehrlich darüber sprechen, was hinter den Kulissen passiert – mit allen Höhen und Tiefen, die ein junges Unternehmen mit sich bringt.
Heute ist einer dieser Momente, in denen ich offen mit euch teilen möchte, wie es gerade wirklich aussieht.


🪵 Der Traum vom nachhaltigen Handwerk

Als ich cravt.store gegründet habe, war die Idee klar:
Ein ehrliches, nachhaltiges und regionales Holzhandwerk, das zeigt, dass Qualität, Kreativität und Umweltbewusstsein sich nicht ausschließen müssen.
Ich wollte Produkte schaffen, die lange halten, lokal produziert werden und die Menschen wieder näher ans Handwerk bringen.

Und das alles – mit einem klaren Ziel:
Weg von der Wegwerfgesellschaft, hin zu echtem Handwerk mit Wert.

Diese Vision habe ich bis heute nie aufgegeben.
Doch manchmal reicht Überzeugung allein nicht aus, um in der Realität wirtschaftlich zu bestehen.


⚙️ Warum das Ganze nicht alleine funktioniert

Ich habe es oft betont und möchte es noch einmal sagen:
cravt.store war nie als Ein-Mann-Unternehmen gedacht.
Das Konzept basiert auf Teamarbeit – auf Menschen, die gemeinsam an einer Idee arbeiten, sich gegenseitig stützen und gemeinsam wachsen.

Doch genau das fehlt.
Ich habe in den letzten Jahren unzählige Gespräche geführt, potenzielle Partnerinnen und Partner getroffen, Bewerbungen geschrieben, Konzepte vorgestellt – und trotzdem stehe ich noch immer allein da.

Im produzierenden Gewerbe braucht man Manpower, Kapital und Strukturen, um effizient und wirtschaftlich arbeiten zu können.
Allein ist das auf Dauer schlicht nicht machbar – zumindest nicht, wenn man gleichzeitig Qualität, Nachhaltigkeit und faire Preise beibehalten möchte.


🧠 Burnout 2.0 – Wenn Leidenschaft zur Belastung wird

Ich bin ehrlich: Die letzten Monate waren die härtesten meines Lebens.
Ich bin mit voller Leidenschaft dabei – seit Jahren.
Ich arbeite sieben Tage die Woche, oft bis spät in die Nacht, und gebe alles für diesen Traum.

Aber irgendwann ist selbst die größte Leidenschaft nicht genug, wenn die Kräfte schwinden.
Ich bin wieder an einem Punkt, an dem ich körperlich und mental völlig erschöpft bin.
Der Burnout 2.0 hat mich voll erwischt – und diesmal fällt es mir schwerer, daraus herauszufinden.

Es ist schwer, mit anzusehen, wie man für eine Idee brennt, die andere nicht mittragen wollen.
Zu wissen, dass das Konzept funktionieren könnte, wenn nur ein paar Menschen mehr Mut und Vertrauen hätten, tut weh.


📉 Zwischen Erfolg und finanzieller Schieflage

Das Ironische an der Situation:
Das Geschäft läuft eigentlich gut.
Die Bestellungen sind da, die Zahlen steigen, der Umsatz hat sich im Vergleich zum letzten Jahr deutlich verbessert.

Doch dann kam die große Stornowelle.
Viele Aufträge konnten aufgrund der Umstrukturierungen und des Absprungs einer möglichen Geschäftspartnerin im letzten Jahr nicht rechtzeitig fertiggestellt werden.
Kundinnen und Kunden haben storniert, Rückzahlungen mussten erfolgen – und genau das Geld fehlt mir jetzt, um das Unternehmen weiterzuführen.

Ich habe nie versucht, Dinge schönzureden.
Das hier ist Realität.
Ein junger Betrieb, der wächst, aber gleichzeitig unter der finanziellen und körperlichen Belastung zusammenzubrechen droht.


💔 Crowdfunding und die Realität kleiner Marken

Ich habe es mit allen Mitteln versucht:
Mit der GoFundMe-Kampagne, über Patreon, durch den Etsy-Shop, über Social Media und Blogposts.
Aber die Unterstützung bleibt aus.

Nicht, weil die Menschen nicht helfen wollen – sondern weil es schwer ist, in der digitalen Flut überhaupt gesehen zu werden.
Ohne Reichweite, ohne ständige Sichtbarkeit und Marketingpower läuft heute kaum noch etwas.
Und dafür fehlt mir schlicht die Kraft – und mittlerweile auch die Mittel.

Ich weiß, dass viele das hier verfolgen, weil sie an das glauben, was ich tue.
Und genau das hält mich noch aufrecht.


🌱 Ich will eigentlich nicht aufgeben…

Ich denke seit Wochen darüber nach, ob ich den cravt.store schließen soll.
Ob ich meine Werkstatt aufgebe, alles verkaufe und einfach wieder als Angestellter irgendwo anfange.

Aber dann sehe ich die Produkte, die Projekte, die Ideen, die fertigen Aufträge.
Ich sehe die Holzspäne auf dem Boden, den Geruch von Eiche, das, was ich mit meinen Händen geschaffen habe – und dann weiß ich:
Ich will das eigentlich nicht aufgeben.

Trotz all der Rückschläge, der Enttäuschungen und der Erschöpfung – ich liebe dieses Handwerk.
Ich liebe das Gefühl, wenn ein neues Stück fertig ist.
Und ich liebe es, dass Menschen meine Arbeit schätzen.

Vielleicht ist das hier also kein Ende, sondern nur ein weiterer Tiefpunkt, bevor es wieder bergauf geht.


💬 Was jetzt?

Ich weiß noch nicht, wie es weitergeht.
Vielleicht finde ich doch noch den oder die richtige Partnerin, vielleicht kommt noch ein Investor oder ein Unterstützer, der an die Vision glaubt.
Vielleicht aber auch nicht.

Aber eines ist sicher:
Ich bleibe ehrlich, offen und transparent – und ich danke euch allen von Herzen, dass ihr diesen Weg bisher mit mir gegangen seid.

Egal, wie es weitergeht – ohne euch wäre cravt.store niemals so weit gekommen. ❤️

Business, Diskussionsrunde, Gedanken

2 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Gerne dürft ihr mit mir über das Thema diskutieren. Meldet euch dazu gerne hier an und lasst die Finger auf der Tastatur glühen.

    Kreative Grüße

    Lennard Oberhofer
    cravt.store, KittyTom Katzenhöhlen

  • Ein kleiner Anhang noch zur aktuellen Situation & was Stand der Dinge ist:

    Geplant war oder ist, dass noch zwei Untermieter mit einer größeren Vier-Achs-CNC etc. hier einziehen, mit denen ich gerne zusammen arbeiten würde und wo ich dann natürlich auch die CNC mitbenutzen kann, um Aufträge eben schneller abarbeiten zu können. Doch das ist bisher leider noch zu sehr in der Schwebe und hat keinen schriftlich geregelten Wert.

    Dann gibt es zwar einen neuen privaten Untermieter, der zumindest durch die Miete etwas passives Einkommen in die Kassen spült, aber auch das ist weit von der finanziellen Sicherheit weg.

    Einen letzten Interessenten für eine Geschäftspartnerschaft hatte ich letzte Woche noch zu Besuch.
    Wir haben rund sechs Stunden miteinander geredet und der gute Mann war mit der Erste, wo mein Bauchgefühl mir gesagt hat,
    der hat wirklich Interesse.
    Bisher ist die Situation aber auch noch sehr waage und offen. Da warte ich noch auf konkrete Rückmeldungen.

    Leider hatte ich nämlich schon viele Interessenten, die das hier zum Einen unterschätzt haben oder nicht voll und ganz hinter
    Ihren Traum der Selbstständigkeit standen. Selbstständigkeit bedeutet nämlich nicht halbherzig irgendwie viel Geld verdienen zu wollen.
    Da geht es um viel mehr und auch um die Bereitschaft einen hohen Preis dafür bezahlen zu wollen.
    Die meisten Menschen trauen sich das nicht. Trauen sich oft nicht, es wenigstens mal auszuprobieren. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

    Nun ja, jedenfalls wäre es sehr schade hier nun aufhören zu müssen, weil es läuft, aber der Andrang nicht bewältigt werden kann.

    Das Konzept, der gesamte Businessplan, all die Kalkulationen etc.. bauen auf ein Team als Startup auf.
    Nur mit mehr Mitteln lassen sich eben Strukturen mit besseren Maschinen, mehr Manpower und mehr Ideen so
    ausbauen, dass diese hier in Deutschland effizient und somit wirtschaftlich sind.

    Ja, Handwerk ist eine tolle Sache, aber ohne CNC, ohne Breitbandschleifer ohne ein zwei Angestellte, die uns zuarbeiten,
    ist das Ganze nicht umsetzbar. Wir müssen eben skalieren, um hier vernünftig arbeiten zu können.

    Viele Startups scheitern nicht an den Ideen oder Aufträgen. Sie scheitern an der richtigen Finanzierung, an der Machbarkeit und
    auch das ist ein großes Politikum.
    Kleinstunternehmen und Startups müssen von der Politik viel mehr, besser, einfacher und schneller gefördert werden können.
    Gesamtheitlich entgehen uns da so viele Chancen in der deutschen Wirtschaft. Und das ist enorm schade.

    Bleibt jedenfalls gerne hier oder auf Social Media auf dem Laufenden.
    Teilt gerne meine Beiträge und vielleicht habt ihr ja noch jemanden, der Holz genauso sehr liebt wie ich,
    der mehr aus seinem Traum und seinem Hobby machen möchte.

    Euch einen schönen Tag.

    Kreative & liebe Grüße

    Lennard Oberhofer

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